Das Hans Fallada-Museum – ein Besuch in Carwitz

Zum Internationalen Museumstag 2015 habe ich das Fallada-Haus besucht. Es befindet sich in Carwitz, einem kleinem Dorf inmitten der Feldberger Seenlandschaft am Rand der Welt. In einer ländlichen Idylle, liegt es direkt am See, weit ab vom Lärm der Großstadt. Auch heute geht es in Carwitz noch relativ beschaulich zu, obwohl der Ort mehrheitlich vom Tourismus (vor allem Rad- und Wasserwanderer) lebt.

Hans-Fallada-Haus

Hans Fallada-Haus

Hier lebte der Hans Fallada elf Jahre lang, von 1933 bis 1944. Sein Haus, heute Museum, ist weitestgehend im Originalzustand erhalten. Aus Anlass des Museumstages wurde nur ein symbolischer Eintrittsgeld von 1 Euro erhoben und der Andrang war erstaunlich groß. Der Museumseiter, Dr. Stefan Knüppel, führte selbst durch die Ausstellung. Dies tat er kundig, unterhaltsam und durchaus auch amüsant. Das Haus macht den Eindruck, als wäre Fallada nur kurz einmal für einen Spaziergang ausgegangen. Zentral, mitten im Wohnzimmer des Hauses, steht der Schreibtisch. Auf der Tischplatte liegen Griffel, Tintentöpfe, Kaffeekanne und eine Schreibmaschine, darin eingespannt eine unvollendete Manuskriptseite. Wie Knüppel betont ist man bemüht, das Haus und den großen Garten so weit wie möglich im Originalzustand zu erhalten bzw. diesen wieder herzustellen.

Das Wohnzimmer im Fallada-Haus

Das Wohnzimmer im Fallada-Haus

In sieben Räumen wird eine Ausstellung zum Leben und Werk Hans Falladas gezeigt. Zu besichtigen sind u.a. Falladas Arbeitszimmer, das Esszimmer und die Veranda mit originalem Mobiliar. Im ehemaligen Schlafzimmer zeigen die Fotos „Hans Fallada. Lebensorte“ das wechselvolle Leben des Schriftstellers und im Kinderzimmer ist die Ausstellung „Hans Fallada als Kinderbuchautor“ zu sehen. Im Obergeschoss gibt es ein Filmzimmer, in dem eine Dokumentationen über das Leben des Schriftsteller zu sehen ist.

Bei der Führung erfahren wir immer wieder interessante Details über das Leben und Schaffen von Fallada. In der kleinen Küche etwa berichtet Knüppel, dass der Schriftsteller auch sehr dem technischen Fortschritt zugetan war. Er hatte als erster ein elektrischen Kühlschrank, amerikanisches Modell sowie einen elektrischen Ventilator für Frischluft. Außerdem erfuhren wir, dass der Schriftsteller laut Knüppel ein ziemlicher Pedant gewesen sein muss. Er hielt alles was möglich war in Tabellen fest. Darüber hinaus hatte er die Marotte, alle Hausbewohner täglich zu wiegen und deren Gewicht in die Biegetabelle einzutragen. Diese Biegetabelle, so Knüppel, ist für das Museum sehr wertvoll, da dort auch alle Besucher eingetragen worden und man somit weiß, wer wann Fallada besucht hat. Beispielsweise hat ihn Ernst Rowohlt, ein lebenslanger Frau häufg besucht und sogar seinen fünfzigsten Geburtstag in Barwitz gefeiert wie ein Eintrag ins Gästebuch belegt.

Eintrag Ernst Rohwolts im Gästebuch

Eintrag Ernst Rohwolts im Gästebuch

In den elf Jahre , die er in Carwitz lebte und arbeitete, wurde er von den Nazis argwöhnisch beäugt. Die Haltung der Nazis gegenüber dem Schriftsteller war nicht eindeutig, er gehörte jedenfalls nicht zu den verbotenen Literaten. Seine gesellschaftskritischen Romane „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ wurden jedoch von der gleichgeschalteten Presse verrissen und im Jahr 1935 erklärte man ihn zum unerwünschten Autor. Trotzdem gelang es ihm, laut Knüppel dank der großen Unterstützung von Ernst Rowohlt, der ihn sehr schätzte, den Roman „Wolf unter Wölfen“ zu veröffentlichen.  Rowohlt hatte die ersten großen Erfolge des Schriftstellers herausgebracht. „Fallada hat so die Insolvenz von Rowohlt verhindert“, sagt Knüppel. Rowohlt revanchierte sich: Jobs im Verlag hielten Fallada so manches Mal finanziell über Wasser.

Für Fallada muss die Zeit in Carwitz auch belastend gewesen sein: er beschränkte sich zu dieser Zeit weitgehend auf Bücher für Kinder und seichte Erzählungen über das Familienleben. Er musste für das Überleben der Familie und der Hausangestellten sorgen und dafür diente neben der Schriftstellerei auch die Landwirtschaft.  Neben dem aus gab es Felder, deren Ernte zur Tauschwirtschaft diente. Außerdem gab es auf dem Grundstück eine Obstwiese und ein Bienenhaus.

Bienenhaus im Garten des Fallada-Hauses

Bienenhaus im Garten des Fallada-Hauses

Besucher können noch heute durch den weitläufigen, von Obstbäumen, Blumen und Gemüsebeeten durchzogenen Garten schlendern. Die Kulisse dürfte jener entsprechen, die der Literat vor 70 Jahren sah, wenn er zur Honigernte in Richtung Bienenhaus lief. Über die Gestaltung der Beete durch den Angestellten „Opa Lewerenz“ schrieb Fallada in seinem Buch „Heute bei uns zu Haus“: „Viele schöne Steinstufen und Beetkanten aus schwedischem Granit hat der Opa für meinen Garten geschlagen und gemauert, das ist mein Mauerwerk, das noch für meine Enkel hält.“ Diese Voraussage erwies sich als zutreffend. Und auch das Bienenhaus gibt es noch. Allerdings ist es über die Jahrzehnte verändert worden. Nun kann es, wie Knüppel berichtet, Dank der Zuwendung von Fördermitteln in den ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Sitzecke und Bootshaus

Sitzecke und Bootshaus

Außerdem gibt es auf dem 15.000 qm großen Anwesen noch eine Sitzecke am Seeufer mit Blick auf das Bootshaus. Dieses wurde in den letzten Jahren Dank Spenden und Fördermitteln ebenfalls wieder aufgebaut werden können. Insgesamt verging die Führung die im Fluge. Zurück Blieb eine eindrucksvoller Blick in das umfangreiche Schaffen, das wechselhafte Leben Falladas sowie eine sehr gute Museumsarbeit in der mecklenburgischen Provinz.

Fazit: ein Besuch lohnt sich unbedingt!

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