Holunder

von Peter Huchel

Ich werde in der nächsten Zeit wieder regelmäßig unregelmäßig „Kultur-Splitter“ posten, das sind Texte, Fotos oder Bilder, die mich schon lange begeleiten und mir wichtig sind oder die ich gerade erst gefunden habe.

Unter der Holunderhöhle
schliefen wir den Frühling lang.
Laubbühl eine kleine Kehle
heilig uns zu Häupten sang.

In der ginsterdichten Stille
lagen wir am Wiesenhang,
nur das Dengeln einer Grille
grasig deinen Seufzer schwang.

Blätterstark im Niederwehen
der Holunder uns umschlang,
dass er deine nackten Zehen
feucht und wiesiger durchdrang

Und der Strauch kam auf uns nieder,
dass der Halm am Boden klang.
Schlug um uns das Laubgefieder,
saß in unserem Schlaf und sang.

Unter jungen Haselnüssen
schliefen wir den Frühling lang.
Nass von Tau und nass von Küssen
wärmte uns der Mond am Hang.


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