Das Ende des Hörlöffels oder Museums(Medien)betrieb im Zeichen von Corona. Ein Gastbeitrag von Dr. Ruth Rosenberger #closedoropen

Dr. Ruth Rosenberg ist Direktorin Digitale Dienste der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Täglich erwarten wir sie mit neuer Hoffnung, unsere Besucherinnen und Besucher – seit ziemlich genau einem Monat ist das so. Seit dem 18. Mai sind unsere Museen nach der Pandemie-bedingten Schließung Mitte März wieder geöffnet: das Haus der Geschichte in Bonn, das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig sowie der Tränenpalast und das Museum in der Kulturbrauerei in Berlin. Freilich steht der gesamte Betrieb nun im Zeichen der obligatorischen Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus. Überall im Museum gilt eine nach Quadratmetern begrenzte Besucherzahl sowie Maskenpflicht, es gelten Hygiene- und Abstandsregelungen.

Zum Schutz unserer Besucherinnen und Besucher haben wir auch entschieden, dass alle Medienstationen – und davon gibt es bei uns ziemlich viele – nicht mehr angefasst werden müssen, um die Inhalte abzurufen. Dazu zeigen die Screens jetzt eingebettet in den Bewegtbild-Trailer einen QR-Code, über den Besucherinnen und Besucher mit ihrem eigenen Smartphone alle Videos abrufen und sich anschauen können, ohne dabei irgendetwas anfassen zu müssen. Bisher war es notwendig, Videos per Tipp auf einen Touchscreen aufzurufen, den Hörlöffel in die Hand zu nehmen und ans Ohr zu halten. Jetzt gibt es ein vollständig kontaktloses Mediennutzungsszenario.

Nachdem wir zunächst für unsere Dauerausstellung im Bonner Haus der Geschichte im Rekordtempo eine Datenbank-basierte Webseite mit allen Medieninhalten eingerichtet haben, die nur aus unserem hauseigenen WLAN erreichbar ist, wurden die fast 200 Medienstationen nach und nach mit den QR-Codes ausgestattet. Schon in dieser Phase konnten wir Besucher beobachten, die aus Neugier oder in der Art einer Entdecker-Tour die QR-Codes gesucht und gescannt haben, um sich gemeinsam die Videos anzusehen. Das Angebot hat also bereits intuitive Nutzer gefunden, bevor wir es offiziell eingeführt und erläutert haben.

Das beobachten wir nun weiter. Haben wir mit unserem Schnell-Angebot bereits ein alternatives Mediennutzungsszenario skizziert, auf das sich Besucherinnen und Besucher mit ihren eigenen Geräten nun einlassen, weil Kontaktlosigkeit das Gebot der Stunde ist? Viele erklären, dass die hygienischen Bedingungen der bisherigen Hörlöffel oder -knubbel eigentlich schon immer fragwürdig waren. Und wirklich schön sind sie auch noch nie gewesen.

Es könnte sich also abzeichnen, dass angesichts von Corona der gute, alte Hörlöffel im Museum möglicherweise kontaktlosen Mediennutzungen weicht. Wir behalten das im Auge, nutzen die Dynamik der Gelegenheit und experimentieren mit neuen Angeboten. Daher bei uns definitiv: offen statt geschlossen.

Alle Abbildungen © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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