#MeinStückAlltag – In Zeiten der Krise

Markus Speidel, Leiter des Museums für Alltagskultur Schloss Waldenbuch, hat über Twitter aufgerufen: „Wir brauchen Euch! Was ist Euer #MeinStückAlltag in diesen Zeiten? Wir sammeln virtuell unter diesem Hashtag für das Museum der #Alltagskultur. Bitte teilt den Aufruf und sendet Fotos, Videos und Texte.“

Ich habe mich entschlossen hier kurz auf meinem Blog zu antworten. Ihr alle kennt die Situation im Moment. Eigentlich können wir nicht von Alltag sprechen. Für mich und viele andere Freiberufler*innen herrscht eigentlich schon seit Wochen der Ausnahmezustand. Ausstellungen werden verschoben, Veranstaltungen werden abgesagt – wir alle kennen das!

Gerade in Zeiten des Krise, des äußeren Chaos hilft eine eigene Ordnung.
Vormittags geht es an den Schreibtisch. Mittags ein gutes Essen und eine Pause. Nachmittags in den Garten und ein Spaziergang. Abends wird gebloggt. Dazwischen,wenn es passt, wird Musik gemacht und/oder gemalt.

Damit sind auch schon die wichtigsten Objekte meiner #Alltagskultur benannt. Nach wie vor sind mein Laptop und mein Handy die wichtigsten Arbeitsgeräte. Ende Februar hatte ich beschlossen, im März jeden Tag einen Blogbeitrag zu schreiben. Da wusste ich noch nicht, dass sich die Krise, so zuspitzen würde. So gibt mir das tägliche Schreiben auch Halt in der jetzigen Zeit. Die Beiträge

kreisen um das Museum, aber auch um Lyrik, Musik andere historische Themen. Inzwischen sind schon 26 Beiträge entstanden. Es ist immer wieder spannend, wie ein Artikel entsteht und ein Eigenleben entwickelt. Am meisten Spaß machen mir auch Interviews. Wenn ich die Gelegenheit bekomme, zu erfahren, wie die Kolleg*innen mit der Krise umgehen, erweitert das auch meinen Horizont. Als nächstes habe ich ein Interview mit dem Verkehrsmuseum Dresden geplant.
Schön ist es auch, dass die Leiterin des Schiffahrtmuseums Brake bei mir Ihre Lieblingsbücher vorstellt. Das hat sich spontan so ergeben und freut mich.

Neben der professionellen Arbeit als Museumsberater bin ich fröhlicher Dilettant beim Musiszieren. Das Gitarrenspielen macht Spaß und ist eine wunderbare kreative Ablenkung! Seit einigen Jahre habe ich wieder angefangen mit dem Spielen und es sind mit der Zeit schon einige Stücke entstanden – ganz abhängig von der Stimmung und der jeweiligen Situation.

„Die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen  kann der Seele eine ähnliche Entlastung und Ruhe geben wie die Meditation.“ Hermann Hesse

So ist es auch bei mir – im Garten finde ich die Ruhe und Ablenkung, die ich brauche. Der Garten ist eigentlich mit der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was ins unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum. Das merke ich gerade jetzt, wo die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt ist!

Und eine weitere Freude, in der ich dilettiere, ist das Aquarellieren. Es ist ein Spaß, den Farben beim Verlaufen zuzusehen.

„Aus der Trübsal, die oft unerträglich wurde, fand ich einen Ausweg für mich, indem ich, was ich nie im Leben getrieben hatte, anfing zu zeichnen und zu malen. Ob das objektiv einen Wert hat, ist einerlei; für mich ist es neues Untertauchen in den Trost der Kunst, den die Dichtung mir kaum noch gab. Hingegebensein ohne Begierde, Liebe ohne Wunsch.“
Aus einem Brief von Hermann Hesse an Felix Braun, 1917

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2 Antworten auf #MeinStückAlltag – In Zeiten der Krise

  1. Vielen Dank!
    Schön, dass Du Dir die Mühe einer langen Antwort gemacht hast.
    Ich wünsche Dir und hoffe für Dich, dass Du durch diese schwierigen Zeiten kommst und weiterhin die Museumslandschaft unterstützen und beraten kannst.

    Markus

  2. Jörn Brunotte sagt:

    Ganz herzlichen Dank für Deine guten Wünsche! Krisen sind ja auch immer Chancen, sich zu besinnen und kreative Lösungen zu finden.

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