Zu Besuch auf der Wasserburg Kapellendorf

Thüringen ist, wie man ja weiß, reich an Burgen und Schlössern. Gern möchte ich auf meinem Blog auch einige der kleineren und weniger bekannten vorstellen.

Heute ging es nach Kapellendorf, einem keinen Ort im Weimarer Land. Dort, in der Niederung des Sulzbaches und der Werlitz, errichteten die Burggrafen von Kirchberg im Laufe des 12. Jahrhunderts eine Wasserburg. Heute erkennt man die ursprüngliche Anlage noch als „Burg in der Burg“. Der Pallas ist erhalten und dient heute als Museum. Außerdem ist noch der Brunnen vorhanden. Vom Bergfried aus Buckelquadermauerwerk ist jedoch nur noch ein Stumpf zu erkennen. Einen Teil der erhaltenen inneren Umfassungsmauer, die früher einmal ringförmig die ursprüngliche Anlage umfasste, kann man betreten und einen schönen Blick auf die erweiterte Burg werfen.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burg stark verändert. Im 14. Jahrhundert erwarb die Stadt Erfurt die Burg und es erfolgen große Umbauten und eine Erweiterung der gesamten Anlage.

1509 erfolgte der Verkauf an die Wettiner. Die Burg wurde zum Amtssitz. Ein gänzlicher Umbau zum Schloss erfolgte aber nicht, wodurch der wehrhafte Charakter geblieben ist.


Im Kochtopf und auf den Zinnen – Lebensraum Burg

Unter diesem Titel will die Sonderausstellung im ersten Raum des Pallass „mit Geschicklichkeits- und Wissensspielen Besonderes aus dem Lebensalltag einer Burg vermitteln“. So ist da eine Wand, an der man erraten soll, welches Gemüse es etwa im Mittelalter noch nicht gab. Die Antwort findet sich dann jeweils unter einer kleinen Klappe, die man öffnen muss. Leider ist es sehr dunkel, so dass die Antworten fast nicht zu lesen sind. Außerdem kann man ein Schwert anheben, um einmal zu

erfahren, wie schwer es ist. In einer Ecke wird auch ein Film über das Leben auf einer Burg im Mittelalter gezeigt. Gedreht wurde er auf Schloss Burgk und steht unter dem Thema „Demut lernen im Mittelalter“. Leider ist dieser Film in meinen Augen völlig unpassend für die Ausstellung. Diese will doch Grundsatzinfomationen über eine mittelalterlich Burg bieten, die der Film überhaupt nicht liefert. Sehr ärgerlich!

Neben dem Leben der Menschen auf der Burg werden auch die heutigen Bewohner der verlassenen Burg ausgestellt: Roter Milan, Tumfalke, Bachstelze, Mauerbiene und Nashornkäfer. Leider stehen diese Tierpräparate etwas unvermittelt zwischen den Objekten und Informationen zum Alltag im Mittelalter. Es dauert eine Weile, bis sich dem erwachsenen Besucher der Zusammenhang erschließt. Hier hätte eine klarerer Abgrenzung oder eine andere Präsentationsform mehr bewirkt.


Im Obergeschoss erfährt man noch mehr über die Geschichte der Burg.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Schlacht der preußischen Truppen gegen die französische Armee. Auf dem Sperlingsberg nördlich des Ortes Kapellendorf entschied sich das letzte Gefecht der fünf Teilschlachten bei Jena. Am 14. Oktober 1806 unterlagen die Preußen dem Heer unter Führung von Napoleon. Als Erinnerung an das vernichtende Gefecht wurde 1907 nach dem Entwurf des Architekten Max Erhardt aus Apolda ein Denkmalturm errichtet.

Alles in allem lohnt ich ein Ausflug zur Wasserburg – auch wenn die Ausstellung etwas disparat ist.

PS.: Ein Nashornkäfer ist mir beim Abschied auch noch über den Weg gelaufen!

Museum Wasserburg Kapellendorf
Am Burgplatz 1
99510 Kapellendorf
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 Uhr bis 12 Uhr und 13 Uhr bis 17 Uhr



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